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Ergonomische Empfehlungen, das dynamische Sitzen und passende Übungen für den körperlichen Ausgleich am Bildschirmarbeitsplatz werden immer wieder beschrieben. Die Augen jedoch werden allzu oft stiefmütterlich behandelt, obwohl sie am Bildschirm Schwerstarbeit leisten.

Die natürlichste Art zu sehen ist ein permanent wechselnder Blick, wie bei einem Waldspaziergang. Dort bewegen sich unsere Augen spontan zu verschiedenen Punkten, hinzukommen wechselndes Licht, unterschiedliche  Farben und Formen, die das Sehen und damit die Augenmuskulatur anregen und vitalisieren.  Diese verschiedenen Reize fehlen an Bildschirmarbeitsplätzen. Das monotone, starre Sehen beansprucht die Augen und den ganzen Körper auf eine unphysiologische Art und Weise. Das  Auge hat einen Durchmesser von ca. 2,5 cm und wird von sechs Muskeln umgeben. Diese Augenmuskeln können sich schneller bewegen als alle anderen Muskeln im Körper. Sie sind etwa so dick und so lang wie ein kleiner Finger. Das ist bemerkenswert, denn der Augapfel selbst wiegt nur ca. 8 Gramm.

Damit beim Blick auf den Monitor scharf gesehen wird, machen die Augen bis zu 60 mikroskopisch kleine Blickbewegungen (Microsaccade) pro Sekunde. Je mehr Bewegung stattfindet, desto besser ist die Wahrnehmung im Gehirn. Am PC ermüden die Augenmuskeln mit der Zeit und der Blick fühlt sich starr und schwer an. Hier sind Micropausen sehr wichtig, um Ermüdungser-scheinungen und Verspannungen vorzubeugen. 

Bei einer optimalen Entfernung des Monitors (ca. 60cm) befindet er sich für die Augen im mittleren Nahbereich. Um auf diese Entfernung scharf zu stellen, braucht die Linse eine gewisse Spannung.

AGR-AugentrainingFür diese Spannung ist ein kleiner Ringmuskel (Ziliarmuskel) verantwortlich. Der Ziliarmuskel verändert über die Zonulafasern die Form der Augenlinse. Wenn der Blick dauerhaft auf den Nahbereich fokussiert ist, ist dieser Muskel unter Dauerspannung und die Linse hat kaum Gelegenheit ihre Form zu verändern. Damit die Linse elastisch bleibt und der Ringmuskel sich nicht verkrampft, brauchen die  Augen  einen regelmäßigen Blickwechsel zwischen nah und fern. Ab einer Entfernung von mindestens sechs Metern ist das Auge völlig entspannt.

Bei einer Überbeanspruchung der Augenmuskulatur können verschiedene Beschwerden auftreten:

  • brennende, gerötete Augen
  • Trockenheit
  • Flimmern
  • Druck- oder Schmerzgefühl in den Augen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Kopfschmerzen
  • mangelnde Konzentration bei der Bildschirmarbeit oder beim Lesen

Untersuchungen haben gezeigt, dass beispielsweise der Lidschlag durch die hohe Konzentration von ca. 20 Lidschlägen pro Minute auf 5 bis 7 sinkt. Die Hornhaut wird schlechter versorgt und sogar die Sehschärfe kann nachlassen. Da der Lidschlag den Feuchtigkeitsfilm auf dem  Auge ständig erneuert, kann das Auge bei längerer Bildschirmtätigkeit trocken und gerötet sein.

Diese Symptome sind direkt mit der Tätigkeit verbunden. Werden die Augen am Wochenende oder im Urlaub durch computerfreie Phasen entlastet, verschwinden die Beschwerden in der Regel.

Wohltuend, nicht nur für die Augen, wäre daher eine Arbeitsorganisation die einen regelmäßigen Wechsel zwischen Bildschirmarbeit und anderen Tätigkeiten zulässt.

Bei häufigen Augenbeschwerden und Nachlassen der Sehkraft sollte immer zuerst ein Augenarzt konsultiert werden!

 

Bei starker Augenbelastung können nachfolgende Übungen helfen:

Palmieren

Reiben sie die Handflächen aneinander, bedecken sie die geschlossenen Augen mit den hohlen Handflächen, so dass kein Druck auf die Augen ausgeübt wird. Die Ellenbogen können eventuell abgestützt werden. Stellen sie sich vor, sie sehen eine grüne Wiese. Atmen sie mehrmals bewusst ein und aus! Nach 1 - 2 Min. die Augen langsam öffnen und dann die Hände entfernen.

Augenrallye

Wählen Sie fünf bis acht Gegenstände, die sich in unterschiedlicher Entfernung zu Ihnen befinden. Fixieren Sie nun diese Gegenstände in einer bestimmten Reihenfolge. Blicken Sie zum Beispiel in Richtung Drucker, Telefon, Lampe, Tür, Ablagekörbchen und so weiter, bis Sie wieder beim Drucker angekommen sind. Dann starten Sie wieder von vorne. Beginnen Sie Ihre Augenrallye ganz langsam und steigern Sie das Tempo von Runde zu Runde. Alternativ gehen Sie zum Fenster und öffnen es, schließen Sie die Augen und atmen ein paar Mal tief ein und aus. Dann öffnen Sie die Augen und führen die Übung Augenrallye am offenen Fenster durch. Möglichst mit Blick ins Grüne.

Die liegende Acht

Setzen Sie sich entspannt hin und schließen Sie ihre Augen. Führen Sie mit der Nasenspitze und bei geschlossenen Augen, etwa 20-Mal eine liegende Acht durch. Bewegen Sie dabei ihren Kopf ganz leicht mit. Beginnen Sie die Acht von der Mitte nach oben außen. Wirkung: Sie entspannen nicht nur ihre Augen, sondern gleichzeitig auch die Nackenmuskulatur, deren Anspannung oft zu Kopfschmerzen führt. Je kleiner die Acht ist, umso mehr werden die kleinen Muskeln trainiert.

Diese Übungen können den Augen helfen einen langen PC-Arbeitstag einigermaßen zu überstehen. Eines können die Übungen jedoch nicht: Die Sehkraft verbessern, so dass Sie bald keine Brille mehr benötigen. Sie können jedoch mit den Übungen Ihre aktuelle Sehkraft erhalten.

 

Weitere Informationen rund um Rückengesundheit finden Sie unter www.agr-ev.de

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Inhalt: Reinhard Weber